Stadtbibliothek
Röthenbach a.d. Pegnitz

Nachlese

12.02.2025

Lesung mit Tim Pröse

Wir Kinder des 20. Juli. Gegen das Vergessen: Die Töchter und Söhne des Widerstands gegen Hitler erzählen ihre Geschichte.

 

Die Erzählungen des Autors Tim Pröse sind nicht von gestern. Erschreckend zeitlos wiederholen sich aktuell die Ereignisse oder bahnen sich an. Pröse zieht Parallelen.  
Er holt das Publikum wird dort ab, wo es sich gerade befindet. Die gut gefüllte Stadtbibliothek wird zur Holzbaracke, in der das Attentat stattfand, die Aula der Schule zum Schauplatz einer Veranstaltung im Jahr 1942: Militärlaster stehen wartend auf dem Schulhof, während drinnen geschulte Redner jungen Männern - fast Kinder noch-  ein Heldenleben versprechen, um sie für den Kriegsdienst zu rekrutieren.  Eben noch auf der Schulbank und nach rudimentärer Ausbildung an die Front, von wo aus bald ein Brief mit der Todesnachricht die Eltern erreicht. Jungen Frauen winkt nach etlichen Geburten das nicht weniger heldenhafte Mutterkreuz. „Krass“, kommentiert eine Schülerin.

 „Krass“ sind auch die Erzählungen der Zeitzeugen, die Pröse wiedergibt. Vom Leid der Sterbenden in den Gaskammern berichtet er ebenso detailliert wie von der Hinrichtung des Grafen von Stauffenberg, den er als wahren Helden anerkennt.

Den emotionalen Erzählstil wählt Tim Pröse bewusst. Ein Jahr lang hat er recherchiert, hat Zeitzeugen aufgesucht und ist seinen Gesprächspartnern beharrlich und einfühlsam nahegekommen. Das Erlebte und Erfahrene soll weitergegeben, niemals vergessen werden. Das ist der brennende Wunsch der Zeitzeugen, auf dass sich das Grauen nie mehr wiederhole.

Die Erzählung von Menschen, die sich dem nationalsozialistischen Wahn entgegenstellten, soll dem Publikum Vorbild und Ansporn zugleich sein. Am Ende seines Vortrags spannt der Autor den Bogen von Deportation zu der von der AfD geforderten „Remigration“. Er ermuntert Junge und Alte, sich einzumischen bei Unrecht, Rassismus und Diskriminierung – auf dem Schulhof, am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit, denn „die Würde des Menschen ist unantastbar“.